Wie viel CO2 sparen wir denn nun ein? 

60%, 70% CO2-Einsparung oder doch mehr Emissionen. Wie kommen unsere verschiedenen Werte zustande? Eine Erklärung.

Auf unserer Website, in Präsentationen oder auf Nachfragen finden sich unterschiedlichste Zahlen zum CO2e-Ausstoß unserer Produkte und unseres Granulats. Die Frage, die sich jetzt natürlich stellt ist: Was stimmt denn jetzt? Unsere Antwort darauf: Im Prinzip alles! Nur beziehen sich die verschiedenen Werte auf unterschiedliche Produkte, haben andere Referenzprodukte usw.

Dieser Artikel soll etwas Licht ins Dunkel bringen und erklären, wie diese Zahlen zustande kommen.

LCA – Was wird berechnet?

Im Life Cycle Assessment (LCA) bzw. Lebenszyklusanalyse werden die Umweltwirkungen eines Produktes analysiert. Dabei wird, wie es der Name bereits vermuten lässt, der gesamte Lebenszyklus des Produktes betrachtet. Die Analyse betrachtet also jeden Schritt von Wiege bis zur Bahre (“from cradle to grave”). Das Ergebnis einer LCA sind verschiedene Werte wie z.B. die CO2-Emissionen eines Produktes oder die Wirkung auf die Ozonschicht. Diese Werte werden dann mit denen von Referenzprodukten verglichen, z.B. wird die WILDBAG mit herkömmlichen Müllbeuteln (aus Neuplastik) und Recyclingmüllbeuteln verglichen.

Die Analyse unserer Produkte umfasst vor allem die Treibhausgase und macht sie in der Einheit CO2-Äquivalente (CO2e) miteinander vergleichbar. Dazu wird die Klimawirksamkeit der einzelnen Treibhausgase auf die Klimawirksamkeit von CO2 heruntergerechnet.

Methodik und Rahmensetzung

Gleich zu Beginn ist es wichtig zu wissen, dass wir bei all unseren Berechnungen das gleiche wissenschaftliche Berechnungsmodell nutzen und den Betrachtungsrahmen gleich setzen. 

Unsere Analyse fängt bei der Gewinnung der Rohstoffe an und hört beim End-of-life-Szenario auf. Bei letzterem wird betrachtet wie der Produktlebenszyklus endet. Hier gibt es in unserem Fall zwei Möglichkeiten. Zum einen kann die WILDBAG für Restmüll verwendet werden, also wird sie wahrscheinlich verbrannt,  zum anderen kann sie für den Gelben Sack/die Wertstofftonne verwendet werden, dann wird sie wahrscheinlich recycelt.

Auch das ist für alle Produkte gleich und gilt auch für die Referenzprodukte.

Die Annahmen und Variablen

Wir aktualisieren die Annahmen und Variablen in unserer Berechnungen laufend. Wenn beispielsweise eine neue Sammelorganisationen hinzukommt, wir das Material an einem anderen Ort recyceln lassen oder mit einem anderen Partner produzieren, dann verändern sich natürlich auch die Emissionen des produzierten Produktes. Das macht die Berechnungen der anderen Produkte aber nicht automatisch falsch. Auf diese treffen nur andere Annahmen zu. 

Außerdem spielt es eine große Rolle mit welchen Referenzprodukten verglichen wird. So ist die  35L WILDBAG (19,2g) z.B. näher am durchschnittlichen Gewicht der Stichproben der Referenzprodukte dran (14,7g) , als die 60L WILDBAG (30,2g) an ihren Referenzprodukten (16,3g). Deshalb schneidet die 35L WILDBAG im Vergleich besser ab, als die 60L zu ihren Referenzprodukten. 

Wenn du hier mehr wissen möchtest, dann besuche gerne unsere LCA Seite

Woher kommen die unterschiedlichen Werte?

70%

Die bis zu 70% Einsparung tauchten im Zusammenhang mit unseren 60l WILDBAGs auf, das wurde aber korrigiert. Mehr dazu im Abschnitt “Korrekturen.

Doch die 70% tauchen auch noch in einem anderen Zusammenhang auf. Nämlich wenn es um die WILDPLASTIC Versandtaschen geht. Im Vergleich zu Versandtaschen aus reiner Neuware sparen wir bis 70% CO2e ein, sofern die Taschen recycelt werden. Dabei gehen wir vom gleichen Gewicht aber mehr Druck auf Seiten der WILDPLASTIC-Variante aus.

60%

Auf der LCA Page schreiben wir, dass wir im besten Falle 60% CO2 einsparen. Das bezieht sich auf die 35L WILDBAG und liegt an den o.g. Gründen.

90%

Für die, die uns intensiver verfolgen, taucht sogar noch eine dritte Zahl auf. 90% Einsparung. Das bezieht sich auf den Vergleich von WILDPLASTIC LDPE Granulat zu Neuplastik LDPE Granulat.

Vermutlich werden wir diesen Wert für unsere Produkte nicht erreichen können, denn bei der eigentlichen Produktion unterscheiden sich die Materialien im besten Falle nicht mehr. Deshalb werden hier die gleichen Emissionen veranschlagt und die relative Einsparung wird geringer auch wenn die nominellen Einsparungen gleich bleiben. 

Korrekturen:

Auf der Produkt- und Startseite haben wir bisher von maximal 70% Einsparung bei der 60L WILDBAG gesprochen. Nachdem wir für diesen Blogartikel allerdings alle Annahmen und Formeln unserer Rechnungen noch einmal durchgegangen sind, fiel uns ein Fehler auf. Wir hatten eine Annahme nicht korrekt in eine Formel übersetzt. Der Anteil von Recyclingplastik war falsch in der Formel abgebildet und so waren die Emissionen für das Referenzprodukt zu hoch angegeben.

Zusätzlich mussten wir die WILDBAGs bei unserer letzten Produktion dicker machen als bei der Produktion der Prototypen, weil das Material stärker verunreinigt war.

Durch diese Fehlerkorrektur und die neuen Daten der WILDBAG, sparen wir im besten Fall “nur noch” 60% CO2e ein. 

Gut, dass wir die Möglichkeit hatten die Zahlen anzupassen und zu korrigieren. 

Die Krux der Kommunikation

Es ist für uns kommunikativ eine große Herausforderung die Ergebnisse unserer Analysen so zu verpacken, dass sie gleichzeitig ansprechend und inhaltlich richtig sind und dabei auch noch genügend Kontext geben, um die Werte zu verstehen.

Wie auf unserer LCA Page zu sehen, gibt es Szenarien, in denen wir durchaus gut dastehen. Die 60% und 70% und ja auch die 90% Einsparung sind an sich “richtig” und wir sind überzeugt, dass wir das auch nicht verheimlichen müssen. Aber genauso wenig dürfen wir verheimlichen, dass es Produkte gibt, die einen niedrigeren CO2e-Ausstoß haben als unsere. Und das ist auch völlig okay. Denn unsere Mission ist es die Welt vom wilden Plastikmüll zu befreien. Das gibt uns natürlich nicht die Erlaubnis unverhältnismäßig viel CO2 in die Luft zu blasen, daher die volle Transparenz. 

Am klimafreundlichsten ist es erst gar keinen Müll zu produzieren oder zumindest so wenig, wie möglich. Dann braucht ihr auch keine oder nur noch wenige Müllbeutel. Ganz nach dem Motto: Refuse. Reduce. Reuse. Recycle.