Ist Plastik schlecht für das Klima?

Warum Plastik nicht nur ein Müllproblem ist.

Plastik vermüllt unsere Umwelt und ist eines der größten Probleme für unsere Ökosysteme. Das ist keine neue Erkenntnis und genau deshalb wird Plastikmüll auch meistens als Umweltproblem abgetan, das aber an sich keinen großen Einfluss aufs Klima hat. Das stimmt in dieser Form leider nicht, denn auch in Bezug auf die Treibhausgasemissionen ist die Plastikproduktion eine einzige Katastrophe.

Das Problem in Zahlen

Die Plastikproduktion verursachte allein im Jahr 2015 ca. 1,8 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente (CO2e)*, das sind ca. 5% des weltweiten Ausstoßes an Treibhausgasen [SD];[ST]. Zum Vergleich: das ist ca. das doppelte des gesamten globalen Flugverkehrs und das 2,5-fache des gesamtdeutschen Ausstoßes [SP]. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Produktion von Plastik in den nächsten 20 Jahren verdoppelt und bis 2050 vervierfacht [PA]. Das sorgt dafür, dass Plastik ca. 17% des weltweiten CO2e-Budgets für die Begrenzung der globalen Mitteltemperatur auf 1,5°C einnehmen könnte [SD]. Damit könnte die Plastikindustrie schon bald zu den größten CO2-Emittenten weltweit zählen. Dazu muss gesagt werden, dass diese Rechnungen noch sehr konservativ sind, da es kaum möglich ist verlässliche Daten über den tatsächlichen Ausstoß zu erheben. Das liegt z.B. daran, dass viele Umweltauswirkungen z.B. der Austritt von Gas bei der Förderung nur geschätzt werden können und auch die Umweltschäden durch z.B. Waldrodung nicht bekannt sind [PA].


Warum steigt die Produktion so stark?

Einer der Hauptgründe, den die Heinrich Böll Stiftung in Zusammenarbeit mit dem BUND gefunden hat ist der Anstieg der Fördermenge billigen Frackinggases aus den USA. Für dieses bietet die Plastikindustrie nämlich einen dankenden Abnehmer. Was für Frackingunternehmen und Plastikproduzenten eine lukrative Win-win-Situation darstellt ist für die Umwelt und das Klima leider eine riesige Katastrophe. Um einen Eindruck dafür zu bekommen wie lukrativ das Ganze sein muss, können wir uns beispielsweise die Investitionen der petrochemischen Industrie (z.B. Plastikproduzenten) in Fracking-Gas anschauen. Seit 2010 aufaddiert liegen diese bei über 200 Mrd. Euro und das mit steigender Tendenz [PA]! Allein deutsche Gummi- und Kunststoffhersteller setzen jährlich ca. 83 Mrd. € um [KI]. Zu den monetären Aspekten in der Produktion kommen aber auch noch weitere Gründe hinzu, z.B. dass der Verpackungswahn und die Wegwerfmentalität noch immer ungebrochen sind. Außerdem gilt Plastik in vielen Entwicklungsländern auch als ein gewisses Zeichen von *CO2-Äquivalente ist eine Einheit, um die verschiedenen Treibhausgase miteinander vergleichbar zu machen. Treibhausgase wie z.B. Methan werden sozusagen in CO2 umgerechnet. Wohlstand und Fortschritt. Auch deshalb wird sich die Produktion in den nächsten Jahren vermutlich drastisch erhöhen.

Wie kommt dieser riesige Treibhausgasausstoß zustande?

Wie in der Produktion der meisten Güter werden auch die meisten Plastikprodukte noch immer mit Energie aus fossilen Energieträgern produziert, das sorgt dafür, dass hier große Mengen CO2e frei werden. Ein bedeutender Teil der Emissionen kommt aber auch durch große Mengen an austretendem Methan bei der Förderung oder dem Transport. Des Weiteren werden für die Anlagen und Pipelines große Mengen Wald gerodet und Ökosysteme zerstört, was sich zusätzlich negativ auf die Bilanz von Plastik auswirkt aber auch nur sehr schwierig quantifizierbar ist. Aber nicht nur durch die Herstellung der Produkte schädigen wir unser Klima, denn auch nach dem eigentlichen Lebenszyklus stellt Plastik ein großes Problem dar. Da die weltweite Recyclingquote nicht einmal bei 10% liegt [AS], gibt es meistens nur zwei Szenarien für ausgedientes Plastik.
1. Es wird im sogenannten Waste-to-Energy-Verfahren verbrannt und zur Energieproduktion verwendet. Bei der Verbrennung entstehen große Mengen Treibhausgase.
2. Es liegt in der Umwelt und zersetzt sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Die Höhe der Emissionen davon sind bislang unbekannt.
3. Es liegt in der Umwelt und wird von Pflanzen und Tieren aufgenommen und stört und zerstört die Ökosysteme massiv. Diese sterben oder können dadurch weniger CO2 aufnehmen und verschlimmern so die Lage des Weltklimas weiter. Auch hier ist derzeit unbekannt wie groß der verursachte Schaden tatsächlich ist.

Long story short

Die Auswirkungen der Plastikproduktion auf das Weltklima sind schon heute riesig aber könnten sich in Zukunft noch einmal drastisch verschlimmern. Wir haben jetzt schon mehr Plastik produziert als wir jemals tatsächlich brauchen werden. Deshalb ist es wichtig, dass es eine Vielzahl von Unternehmen wie WILDPLASTIC gibt, die zusammen das Problem angehen! Um das Problem zu lösen braucht es jeden einzelnen von uns, dafür gibt es vier ganz einfache Wörter, die wir deutlich stärker verinnerlichen müssen.
Refuse. Reuse. Reduce. Recycle.

*CO2-Äquivalente ist eine Einheit, um die verschiedenen Treibhausgase miteinander vergleichbar zu machen. Treibhausgase wie z.B. Methan werden sozusagen in CO2 umgerechnet.

Willst du mehr wissen oder dich von unseren Quellen überzeugen?

SP: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimawandel-flugverkehr-weltweit-erzeugte-2018-mehr-co2-als-deutschland-a-1287582.html

SD: www.sciencedaily.com/releases/2019/04/190415144004.htm

ST: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37187/umfrage/der-weltweite-co2-ausstoss-seit-1751/

PA: https://www.boell.de/sites/default/files/plastikatlas_2019_3._auflage.pdf?dimension1=ds_plastikatlas

AS: https://advances.sciencemag.org/content/3/7/e1700782

KI: Kunstoffindustrie von Statista

*CO2-Äquivalente ist eine Einheit, um die verschiedenen Treibhausgase miteinander vergleichbar zu machen. Treibhausgase wie z.B. Methan werden sozusagen in CO2 umgerechnet.